{"id":847,"date":"2016-05-23T16:24:38","date_gmt":"2016-05-23T16:24:38","guid":{"rendered":"http:\/\/gegenschaetze.de\/?p=847"},"modified":"2016-05-23T16:24:38","modified_gmt":"2016-05-23T16:24:38","slug":"orpheus-der-neptunische-held","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mondknoten.de\/?p=847","title":{"rendered":"Orpheus, der neptunische Held"},"content":{"rendered":"<p>Orpheus ist ein neptunischer Held, ein Musiker und Dichter, dessen bet\u00f6render Gesang die B\u00e4ume weinen macht und Steine dahinschmelzen l\u00e4sst. Durch seine Musik hebt er empor, weitet das Bewusstsein und \u00f6ffnet das Tor zur Wahrnehmung des Allumfassenden, Ewigen. Seine Geschichte beginnt an seinem Hochzeitstag, als er Eurydike, die Frau seiner Tr\u00e4ume, heiratet. Eigentlich sollte er vor Gl\u00fcckseligkeit vergehen, doch Eurydike, die sich mit einigen Freunden auf einen Spaziergang begeben hat, tritt auf eine Schlange, wird gebissen und stirbt. Ein Tag der Freude wandelt sich pl\u00f6tzlich in eine Trag\u00f6die. Jemand mit einem Neptun-Transit kennt wahrscheinlich eine solche Erfahrung: Etwas Wunderbares, Vielversprechendes schl\u00e4gt pl\u00f6tzlich um und wird zu einer Katastrophe, w\u00e4hrend etwas anderes, das uns schrecklich vorkommt, als unerwarteter Segen entpuppt.<\/p>\n<p>Nicht bereit, die Trag\u00f6die hinzunehmen, weigert sich Orpheus, den Tod seiner geliebten Frau als endg\u00fcltig anzuerkennen und versucht, um ihr Leben zu feilschen. Wie die meisten Menschen, deren Leben durch ein tragisches Schicksal zerst\u00f6rt wird, m\u00f6chte er die Uhr zur\u00fcckdrehen, damit die Dinge wieder so sind, wie so vor dem Ungl\u00fcck waren. Orpheus spielt ein Lied, das den vor dem Tor der Unterwelt wachenden H\u00f6llenhund Zerberus einschl\u00e4fert, und es gelingt ihm, in das Reich von Pluto und Persephone einzudringen, die er beschw\u00f6rt, Eurydike freizugeben und mit ihm in die Oberwelt zur\u00fcckkehren zu lassen. Die zwei sind allerdings strenge Herrscher \u2013 wer gestorben und in das Reich der Unterwelt eingegangen ist, darf es normalerweise nicht verlassen. Mit seinen eindringlichen Worten und seinem Gesang gelingt es Orpheus jedoch, seinen Fall so \u00fcberzeugend dazustellen, dass das Herrscherpaar der Unterwelt sich bereiterkl\u00e4rt, das Gesetz etwas abzumildern \u2013 ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, wie Neptuns Kraft Strenge und H\u00e4rte besiegen kann. <\/p>\n<p>Orpheus darf also Eurydike wieder mitnehmen ins Land der Lebenden, jedoch unter einer Bedingung: Er darf sich nicht umdrehen und sie ansehen, bis sie beide in der Oberwelt angelangt sind. So nimmt Orpheus Eurydike bei der Hand und f\u00fchrt sie heraus aus der Unterwelt. Als sie in das Licht der oberen Welt eintreten wollen, kann Orpheus der Versuchung nicht l\u00e4nger widerstehen, sich umzuwenden und Eurydike anzusehen. Als er sich umdreht, zerflie\u00dft das Gesicht seiner Frau vor seinen Augen und sie l\u00f6st sich auf, zusammen mit all seinen Hoffnungen auf Gl\u00fcck und Erf\u00fcllung, in Dunst auf. Das Versprechen der Erl\u00f6sung und Erneuerung verschwindet vor seinen Augen und die ersehnte Erf\u00fcllung ist auf tragische Weise verloren. <\/p>\n<p>Warum musste Orpheus zur\u00fcckschauen? Kein Vertrauen? Beschlich ihn der Zweifel, ob er da wirklich Eurydike nach oben f\u00fchrte? So beginnt er voller Misstrauen, die Situation zu analysieren und beschw\u00f6rt so das Ungl\u00fcck herauf. Orpheus m\u00f6chte eine Garantie, eine Sicherheit, aber Neptun verlangt, dass wir uns hingeben, ohne zu wissen, was wir daf\u00fcr bekommen werden. <\/p>\n<p>So ist Orpheus wieder allein. Seine Bem\u00fchungen sind gescheitert und er kann Eurydikes Tod nicht mehr verleugnen. Nachdem er alle Kraft im Kampf gegen ihren Tod verbraucht hatte, blieb ihm nur \u00fcbrig, sich dem Unumg\u00e4nglichen zu f\u00fcgen. Er hat nur noch eine M\u00f6glichkeit, die er zuvor nicht wahrnehmen wollte, n\u00e4mlich den Tod anzunehmen und um den Verlust seiner Frau zu trauern. Er war so mit seinem Kampf gegen das Unvermeidliche besch\u00e4ftigt, dass er gar keine Zeit hatte, sich seiner Trauer und seinem Schmerz hinzugeben. <\/p>\n<p>F\u00fcr seine Trauer w\u00e4hlt er eine Stelle nahe einem Platz, auf dem gerade ein dionysisches fest abgehalten wird. Hier zeigen sich die zwei unterschiedlichen Gesichter Neptuns \u2013 die Freude und Ekstase der Festg\u00e4ste einerseits und der tiefe Schmerz des Orpheus andererseits. Als die Gastgeber ihn entdecken, dr\u00e4ngen sie ihn, sich an den Vergn\u00fcgungen zu beteiligen. Doch Orpheus weigert sich, er m\u00f6chte weder seinen Platz noch seinen seelischen Zustand wechseln. Da werden die Feiernden \u00e4rgerlich, denn sie m\u00f6chten sich zerstreuen und am\u00fcsieren und nicht das Klagen h\u00f6ren, das sie an alles Leid der Welt erinnert. Sie beschlie\u00dfen, Orpheus zu t\u00f6ten und werfen ihre Speere auf ihn. Doch das Wehklagen und seine Trauerlieder sind so herzzerrei\u00dfend, dass die Wurfspie\u00dfe innehalten, bevor sie ihn treffen. Die G\u00e4ste kommen schlie\u00dflich auf die Idee, so laut zu schreien, dass die Speere den Gesang des Orpheus nicht h\u00f6ren k\u00f6nnen und ihren Weg nicht mehr unterbrechen. So treffen sie ihn \u2013 Orpheus stirbt. <\/p>\n<p>Was in diesem Fall wie ein Ungl\u00fcck aussieht, ist gerade das Gegenteil. Orpheus' Tod bedeutet, dass er wieder mit seiner geliebten Eurydike in der Unterwelt vereint wird. Sie k\u00f6nnen jetzt die Felder des Hades Hand in Hand durchstreifen und sich in die Augen schauen, so oft sie nur wollen. Sein Opfertod, der zuerst den Anschein einer weiteren Trag\u00f6die hat, offenbart sich als Segen. <\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen Orpheus' Tod w\u00f6rtlich verstehen, aber auch symbolisch auffassen als eine grundlegende Pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderung. Sein Kampf um die R\u00fcckeroberung Eurydikes f\u00fchrte ins Nichts, jedoch sein Loslassen und das Akzeptieren des Verlusts, auch wenn es nicht das war, was er sich gew\u00fcnscht hatte, f\u00fchrte ihn zu Frieden und Vers\u00f6hnung. Orpheus lernte die Lektion eines Neptun-Transits: Die L\u00f6sung eines Problems kann manchmal nur gefunden werden, wenn wir es aufgeben, nach der L\u00f6sung zu suchen.  C.G. Jung beschreibt solche Lebensphasen so: \u201eWas wir brauchen, ist eine ausweglose Situation, in der wir vertrauensvoll unseren Willen und unseren Verstand einer \u00fcberpers\u00f6nlichen Instanz \u00fcbergeben, die f\u00fcr unser Wachstum und unsere Entwicklung sorgt.\u201c <\/p>\n<p>*** Ein wunderbar erkl\u00e4render Neptun-Text von Howard Sasportas. ***<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Orpheus ist ein neptunischer Held, ein Musiker und Dichter, dessen bet\u00f6render Gesang die B\u00e4ume weinen macht und Steine dahinschmelzen l\u00e4sst. 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